MikroTik - top! oder flop?

Barungar

Well-known member
Ich habe schon längere Zeit mit den Geräten von MikroTik geliebäugelt... da ich aktuell aber keinen Bedarf für (weitere) Switche hatte, habe ich von einem Kauf abgesehen. Zwar habe ich mit dem Gedanken gespielt, nur "zum Spielen" eines der Geräte zu erwerben, aber da konnte ich mich in den letzten Monaten auch nicht zu durchringen.

Nun kam mir das Schicksal zur Hilfe, in dem es einen meiner 10G Core-Switche nach einem Stromausfall zerlegt hat. Die Garantie des Geräts war natürlich schon abgelaufen, und so machte ich mich auf die Suche nach einem Ersatz für diesen Switch. Meine Wahl fiel dabei auf den MikroTik CRS309-1G-8S+IN (Link), ein 8-Port SPF+ Switch mit einem 1000BaseT Anschluss für PoE-IN, Network-Boot und Management.

Unpacking
Was mir beim Auspacken des Geräts direkt gefiel, war die creme-beige Farbgebund des Spritz-Aluminium-Gehäuses, das erinnerte mich an die "guten, alten AlcaTel Switche". Auch, dass das Gerät komplett passiv gekühlt ist gefiel mir schon bei der Auswahl gut. Das Gerät fühlte sich insgesamt sehr wertig und stabil an.

Betriebsystem
MikroTik bietet für die beiden seiner Switche zwei Betriebsysteme an, das RouterOS und das SwitchOS. Diese werden als DualBoot unterstützt, man kann also "jederzeit" durch einen Reboot von einem auf das andere Betriebsystem wechseln.
Der Unterschied liegt in der Bootgeschwindigkeit und dem Funktionsumfang... Betreibt man das Gerät mit RouterOS, so hat man einen full-managed Layer 7 Switch (Router). Entscheidet man sich für SwitchOS, so bekommt man einen ful-lmanaged Layer 2+ Switch. Ich habe mir beide Betriebsysteme angeschaut und mich schließlich für SwitchOS entschieden, weil ich an der Stelle, wo sich der Switch in meiner Infrastruktur befindet keine besondere Funktionen höherer Layer.
Der große Bonus von SwitchOS aus meiner Sicht ist dabei, dass sowohl ein Reboot (Warmstart) alsauch ein Kaltstart innerhalb weniger Sekunden (<5 Sekunden) erledigt ist. Der große Bruder RouterOS gönnt sich da schon eher so um die ca. 25 Sekunden bis er hochgefahren ist.

Bedienung
Die Bedienung sowohl von RouterOS alsauch von SwitchOS erfolgt dabei wahlweise über serielles Terminal, online Console (SSH) oder eingebaute WebUI; zusätzlich bietet MikroTik noch Software für den PC mit dem man mehrere MikroTik-Geräte bequem fernwarten/verwalten kann. Das ist mir aber eine Nummer zu groß, soviele Switche von MikroTik habe ich nicht und werde ich nie haben.

Features (im SwitchOS-Modus)
Ich fokussiere mich hier mal auf den SwitchOS-Modus, weil sonst müsste ich einen Roman schreiben, was der "kleine Kerl" (Switch) alles kann, wenn er mit RouterOS betrieben würde.

Die Ports benennt das Gerät mit ETHn und SPFn, man kann jedoch jedem Port einen Aliasnamen geben, der dann auch konsequent vom Gerät verwendet wird. In Übersichten, Gruppenzugehörigkeiten, usw. steht dann der Aliasname des Ports. Das finde ich persönlich ist schonmal ein nettes Feature.

Was das "Bonding" (bündeln von Ports) angeht, so beherrscht SwitchOS statisches Bonding, passives LACP und aktives LACP. Port Mirroring, Rapid Spanning Tree, VLAN-Unterstützung und natürlich Trunking (bündeln von VLANs) sind eine Selbstverständlichkeit. Ebenso bietet der Switch recht umfangreiche Statistiken zu jedem seiner Ports, angefangen über die Anzahl der gesendeten bzw. empfangenen Unicasts, Broadcasts, Multicasts über die Verteilung der Paketgrößen bis zu 14 verschiedener (!) Error-Zähler pro Port. Abschließend runden SNMP, IGMP und sogar ACLs (Layer 2 und 3!) die Funktionalität ab.

Gelungen fand ich auch die IP-Konfiguration des Gerätes selbst... dort beherrscht er statische IP, IP per DHCP und IP per DHCP mit Fallback. Ich habe mich für letzten Modus entschieden, in diesem gibt man dem Switch eine statische IP-Konfiguration vor, so wie im statischen Modus, diese ist jedoch "schlafend" und wird automatisch aktiviert, wenn DHCP nicht erfolgreich ist.

Was mir auch sehr gut gefällt, ist die Fähigkeit des Switches sein eigenes Betriebsystem per BOOTP zu laden. Selbst wenn mal ein Firmware-Upgrade in die Hose geht, kann man den Switch über BOOTP trotzdem starten und das Upgrade dann nochmal anstoßen. Und ja, ich habe dieses Feature sogar ausprobiert. Ich habe mitten im Upgradevorgang den Switch ausgeschaltet, so dass er anschließend nicht mehr gestartet ist und in einer Boot-Schleife hing. Selbst ausschalten und ein paar Minuten ruhenlassen, haben das Gerät nicht "gerettet". Den BOOTP-Modus aktiviert (das ist eine Sequenz am Hardware-Resettaster), schnell über das Laptop einen BOOTP-Server aufgesetzt mit passendem BOOTP-File und der Switch ist sauber über Netzwerk hochgefahren.

Was mich auch begeistert hat... ist die Energieeffizienz des MikroTik-Switches. Das Vorgängergerät hat im Betrieb ca. 28 Watt verbraucht. Der MikroTik braucht für einen meiner Meinung nach höheren Funktionsumfang nur traumhafte 11 Watt.

Fazit
Ich muss sagen, dass Gerät hat mir sehr gut gefallen. Die Hauptgründe sind (nicht in der Reihenfolge der Priorität): Energieeffizienz, Made in Europe (Litauen), Wahl zwischen zwei Betriebsystemen und das Preis-Leistungsverhältnis, das man sonst auf dem Markt lange suchen muss.

Das beste Lob, dass ich MikroTik glaube ich für seine Switche geben kann, ist zu sagen, dass mittlerweile bereits drei MikroTik-Switche in meinem Netzwerk arbeiten. ;) Insgesamt habe ich sechs Switche (alle mit mindestens 2x 10G SPF+ für die Uplinks) im Einsatz.
 
Jo, die können schon ordentlich was für relativ wenig Geld. Der Funktionsumfang ist schon echt nicht ohne, manche Dinge findet man erst bei den richtig dicken Enterprise-Switchen die preislich dann mal "ganz" woanders liegen 😅 Beim Router-OS verhält es sich ähnlich und die "kleinen" Geräte bringen auch ein ziemlich dickes Feature-Set mit ☺️
 
drei MikroTik-Switche in meinem Netzwerk arbeiten.
Das erklärt, wieso Du das Szenario mit BOOTP durchgespielt hast.

Klingt insgesamt vielversprechend. Es gibt inzwischen viele verschiede Player auf dem Markt - eigentlich zu viele. Privat reichen mir simple einfache Layer 2 Switches (unmanaged) von D-Link und Netgear. Tun was sie sollen. In der Firma sieht es etwas anders aus. Früher mit Cisco unterwegs - gut aber teuer. Inzwischen mit Aruba, auch gut aber etwas günstiger, aber immer noch nicht wirklich günstig. Aber wie immer, die Chefetage will sparen, oft auch wo es nicht geht. :rolleyes:
 
So, heute bin ich dazu gekommen, meinen Glasfaser-Core-Switche komplett auf MikroTik umzubauen. Es gibt jetzt also noch einen MikroTik-Switch mehr, und insgeheim plane ich, weitere Switche durch MikroTik zu ersetzen.

Man kann sagen, die Firma hat einen "neuen Fan" gewonnen, die Geräte überzeugen mich einfach. Mein Core (2x Switche) verbraucht nun ca. 25 Watt weniger... bei 24/7-Betrieb summiert (im Kopf überschlagen knapp 220 kWh im Jahr) sich das auch schon. Damit bezahlen sich die Switche selbst nach 2,5 Jahren durch den gesparten Strom (Amortisation), plus da mir schon ein alter Core ausgefallen war, habe ich nun wieder "Garantie" im Core. ;)
 
Da der Titel ja nun "MikroTik - top! oder flop?" lautet... Ich finde das Feature-Set von den kleinen Büchsen ja schon echt nett (sehr viel Funktionalität für echt wenig Geld), aber... Gibt halt auch so Entwicklungen wo ich sagen muss "Ich weiss ja nicht...". RDS gehört dazu. Soll wohl primär für den Docker-Einsatz sein. Anbindung ist nett, keine Frage, U.2 geht auch noch (obwohl es schon U.3 gibt), nur 32GB RAM (nicht erweiterbar) ist schon ziemlich mager, aber der Klopper ist dann, dass das Ding wohl kein Hotswap kann (und das bei 20 Einschüben). Das ist dann so ein Produkt, sorry, hab ich mal so gar kein Bock drauf 😅
 
Vielleicht muss ich da zumindest mal ein Auge darauf werfen.
Die haben - im oberen Preissegment - schon ganz nette Sachen, kriegste so nirgendwo sonst für das Geld. Zum Beispiel der CRS520-4XS-16XQ-RM (~2k), da biste bei anderen Herstellern aber ganz flott mindestens das doppelte los, wenn man nicht sogar eher direkt im 5-stelligen Bereich liegt. Ebenso der kleine Bruder CRS504-4XQ-IN, finde ich persönlich "spotbillig" für 800€. Für 800€ hab ich irgendwann mal 10G-8-Port-Switche gekauft 😅

Bzgl. Router... so einen hEX-S (2025) z.B. kann man sich auch einfach mal zum rumspielen holen (69€). Ich hatte mir damals bei Amazon einfach diesen hEX-S geholt (2018, 2025 kam dann das neue Modell) und für all meine "Spielereien" (Wireguard/VXLAN/etc.) hat das "locker" gereicht. TR-069-Support haben die Dinger auch (das hatte ich mir nur mal ganz kurz angeschaut in Kombi mit einem ACS (glaub GenieACS war es)), aber jut, wir sind ja keine Provider hier 😅

Davon ab, gibt es das ganze auch als VM (Lizenzen müssen zusätzlich erworben werden), nach dem Testmodus (weiss nicht mehr wie lang das war), wird man ohne Lizenz auf 1Mbit limitiert, aber zum rumspielen reicht das auch noch dicke. Die Hardware-Kisten haben direkt schon entsprechende Lizenzen drauf.
 

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