Datenschutz: Nichts zu verbergen?

u5zzug

Well-known member
Ich bin gerade wieder über den Artikel zum Spiegel Online Mining von 2016 gestolpert und dachte dass passt hierher. Mir fehlen immer die konkreten Beispiele, wenn es heißt, was interessiert China, wann ich meinen Entfeuchter anschalte? oder was macht Alexa schon mit meinen Fragen? und wen interessiert, wann ich Licht anschalte?

Der Herr Kriesel (Data Science) hat aus den veröffentlichten Artikeln (Autor, Länge, Zeitpunkt) z.B. entnommen, wer wann Urlaub hat. Und wer wan mit wem Urlaub macht:

Liebe geheime Spiegelliebespaare, ihr dürft jetzt wieder ausatmen und müsst keine Angst haben, hier geoutet zu werden (ich verlange aber, bei der Hochzeit ein Bier ausgegeben zu kriegen)! Und von der Person mit 5 Verbindungen gleichzeitig wüsste ich gerne, wie sie das managt.

Und liebe Leser, ihr habt heute gelernt: Man kann auch aus Metadaten extrem viel herauslesen. Wenn ich ein paar eurer Kommunikationsmetadaten habe (mit wem ihr mailt oder SMSt, ohne Inhalte) kann ich euch mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen, ob ihr schwanger seid, eine Krankheit habt, verliebt seid, Kinder habt, oder sonst was. Also lasst euch nix erzählen, wenn jemand kommt und sagt „Och, sind doch nur Metadaten“. Ich brauche keine tatsächlichen Inhaltsdaten, um wirklich private Dinge über euch und eure Einsortierung in euer Umfeld zu erfahren. Und jetzt versteht ihr vielleicht auch, warum manche Leute gegen die Vorratsdatenspeicherung was haben. Hier ein Artikel zum weiterlesen.
Schon vor vielen Jahren gab es mal einen Bericht, Wie eine Supermarktkette in den USA die Schwangerschaft einer Teenagerin noch vor deren Vater entdeckte, der sich empörte, dass sie Werbung für Babysachen bekam.
Die Supermarktkette hatte werdende Mütter als interessante Zielgruppe ausgemacht. Hierzu analysierte man das Kaufverhalten schwangerer Frauen und ermittelte Produkte, die diese vermehrt kauften (z.B. parfümfreie Körperlotionen), und Waren, die Schwangere nicht mehr kaufen (z.B. Zigaretten und Alkohol). Hieraus ermittelten die Analytiker ein Modell, mit dessen Hilfe aus der gesamten Kundendatei Frauen mit diesem Kaufverhalten ermittelt werden konnten. Die junge Frau fiel genau in dieses Raster.

Nur 2 Beispiele aus keineswegs neuester Zeit...
 
wen interessiert, wann ich Licht anschalte
Na den Einbrecher wenn es für eine Weile nicht geschaltet wird.
was macht Alexa schon mit meinen Fragen
Na sammeln, auswerten und die Ergebnisse vermarkten. Viel interessanter ist was sonst noch so belauscht werden kann. George Orwell war ein Weisenknabe gegen das was heute so läuft.
.
Ich sage immer dass jeder selbst wissen muss was er so über sich preisgibt. Bei mir steht keine Alexa im Schlafzimmer und meine Cloud steht neben mir im Büro. Google (obwohl ganz praktisch) ist nicht mein Freund obwohl ich nicht nach strafbaren Inhalten im Web suche. In den sozialen Medien veröffentliche ich keine Details zu mir und meiner Familie. Zu verbergen habe ich genau genommen nichts und dass ich meine Privatsphäre gewahrt haben möchte ist ja wohl nicht strafbar.
Na ja, jeder eben so wie er es mag.
 
Es gibt eben die einen, die alles in die weite Welt hinaustragen, sogar wenn und wann sie aufs Klo gehen, und die anderen die halt versuchen ihre Privatsphäre, so gut es geht, zu schützen.

Jeder soll machen, was er will, und nicht die andere Seite bekehren wollen.
 
Spiegel Online Mining von 2016
Das ist ja auch nur "eins" von vielen möglichen Beispielen. Grade die Aggregation von Daten macht diese oftmals noch wesentlich interessanter, zumal sich daraus dann auch noch anderweitige Dinge ableiten lassen. Somit werden mitunter eben auch Dinge zu x % "bekannt", die eigentlich nirgendwo preisgegeben worden sind. Eines der einfachsten Beispiele (auch wenn in diesem Fall keine Aggregation von Daten vorliegt) wäre ja - k.A. ob es noch immer so ist - aber die erhöhten Preise auf Webseiten für Apple-Nutzer. Apple-Browser/OS identifiziert -> höhere Preise.

Ich sag mal so... man kann halt vieles verteufeln, oder auch hinnehmen. Sicherlich kann man sich irgendwo in grundsätzlichen Szenarien auf die Fahne schreiben, dass man keinerlei Produkte von "fragwürdigen" Firmen einsetzt. Mag sein. Oder auch nicht. Da kauft man sich ein Gerät von z.B. Bosch mit Netzwerkanschluss, weiss jetzt aber auch nicht, woher die ihre NICs beziehen. Vermutlich aus China (wie vieles) und niemand weiss, ob dort nicht irgendwas an den NIC-Chips gedreht wurde.

Man muss halt auch ganz klar unterscheiden, was im eigenen Einflussbereich liegt (ich persönlich würde z.B. niemals diese Billig-China-Mini-PCs kaufen - es gibt keinen "nachweisbaren" Grund dafür, es ist mir einfach nicht "geheuer"). Bei einem Cisco-Router/Switch würde ich allerdings nicht nein sagen. Ist doch ein großer bekannter Hersteller!.... oder? Ist auch schon in die Jahre gekommen, aber... heise.de - NSA manipuliert per Post versandte US-Netzwerktechnik. Allerdings sind das alles Dinge, gegen die man nur schwerlich etwas machen kann (als Otto-Normal-Verbraucher sowieso schon mal nicht).

Ich persönlich bin der Meinung, dass eine gewisse "Sparsamkeit" mit persönlichen Daten schon angebracht ist. Das Beispiel mit dem o.g. Einbrecher, gab es ja schon vor etlichen Jahren im Sozialmedia-Kontext. Selbst die Polizei hatte ein paar Jahre später recht deutlich angemerkt, dass es keine gute Idee ist, wenn man in den sozialen Medien Bilder aus dem "aktuell laufenden" Urlaub veröffentlicht (da so klar ist, dass niemand Zuhause ist).

Na sammeln, auswerten und die Ergebnisse vermarkten.
Das kann man so sehen, wenn man möchte. Nur sollte man dabei nicht vergessen, dass um die persönlichen Daten auch ein riesiger Markt entstanden ist. Kurz gesagt: Business. Beim Business geht es immer(!) um's Geld. So werden Daten gesammelt und an die verkauft, die auch einen Mehrwert davon haben. Vielleicht sollte man sich an dieser Stelle mal fragen, mit was für Daten so ein Käufer einen Mehrwert für sich erlangen könnte. Ein einfaches Beispiel hatte ich ja o.g. schon genannt (höhere Preise in Webshops für Apple-Nutzer).

...obwohl ich nicht nach strafbaren Inhalten im Web suche.
Wer sagt denn, dass Du sowas überhaupt tun musst? Ich jetzt natürlich ein etwas weit gegegriffenes Beispiel, aber durchaus exististent: t3n.de - Google-KI: Foto an den Kinderarzt führt zu Kontosperrung und Polizeiermittlung. Ich sag es mal so: Ich finde es gut und richtig, dass gegen sowas vorgegangen wird. Allerdings: Wer sagt, dass es dabei bleibt? Wie will man sowas mitbekommen? Wo kein Kläger, da kein Richter, oder wie heisst es so schön?

Nochmal zum "Business"-Thema... eines der einfachsten Beispiele ist Werbung. Oh, Du warst die letzten 3 Jahre immer in Italien im Urlaub? Na dann halten wir Dir jetzt einfach mal auf jeder Website Werbung für Italien-Reisen unter die Nase. Du hast einen Router gekauft und Dich irgendwo über die mangelhafte WLAN-Qualität geäussert? Kein Problem, wir schalten Dir an jeder Ecke einfach Werbung für WLAN-Repeater.

Solche Dinge bemerkt man schon "sehr", wenn man einfach immer alles an Cookies annimmt und diverse Seiten besucht. Inbesondere bei Seiten, wo die Daten (von diversen Portalen) am Ende dann doch wieder bei einer dicken Bude landen. Was viele auch nicht verstehen: Der "Kunde" selbst ist schon seit längerem ein "Produkt".

Fakt ist allerdings: Alle nach der eigenen Nase. Die einen so, die anderen so. Ist wie mit den Vegan-lebenden Personen. Nur eines sollte man dabei selbst immer beachten: Leben und leben lassen. Durch militantes Verhalten hat sich noch nie jemand beliebt gemacht, ganz egal, ob es um den Verzicht von tierische Produkten, oder um den Umgang mit den eigenen persönlichen Daten geht. Man muss ja nicht gleicher Meinung, aber man sollte schon respektieren, dass andere eben anderer Meinung sein können (ohne diese gleich zwanghaft umpolen zu wollen).

Also im großen und ganzen kann man durchaus sagen, dass man schon sparsam mit seinen Daten umgehen "kann", aber sicherlich auch nicht alles abgedeckt bekommt und wenn es Hardware-interne Dinge sind, hat man i.d.R. sowieso keine Chance als Otto-Normal-Verbraucher.

Also gibt es die, die es zumindestens versuchen und für den Rest gilt: Ihr werdet schon wissen, was ihr da macht... (oder?)

Ist doch ganz einfach oder? 😁
 
Die gängige Meinung ist halt "Ich hab nichts zu verbergen" (aber die Badtür machst du schon zu?) oder "Ist mir egal, wir sind sowieso alle gläsern, da kann man eh nichts machen." (doch, kann man).
Ich finde, wenn man solche Entscheidungen trifft, sollte man zumindest ein kleines bisschen über die Zusammenhänge informiert sein. Die Werbung ist da noch das harmloseste.
Es wird auch schnell persönlich (keine Wohnung, keine Versicherung, keine Arbeit zu bekommen) oder auch politisch (Beeinflussung/Manipulation von Menschen).
 

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