Machen Dich "DS-Lite und CG-NAT" zum Internet-Nutzer 3. Klasse?

Barungar

Well-known member
Ich habe den Titel bewusst provokativ gewählt und als Suggestiv-Frage ausgestaltet. Denn in meiner Sicht ist dem so ... Provider die ihre Kunden (User) hinter DS-Lite oder CG-NAT zwingen machen diese in meinen Augen zu Internet-Nutzern der "Economy Class" um es mal mit dem euphemistischen Namen der 3. Klasse aus der Luftfahrt zu nennen.

Das sehe aber nicht nur ich so, sondern auch Internet-Größen wie Cloudflare, die dazu vor fast einem Jahr einen längeren Artikel [1] in ihrem Blog veröffentlicht haben.

Aber was sind nun konkrete Vor- und Nachteile bei DS-Lite oder CG-NAT?

NachteileVorteile
weniger stabile IPv4-Verbindunganonymerer Internet-Zugriff
messbar, langsamere IPv4-Verbindungenüberhaupt noch ein IPv4 auf einem "reinen" IPv6-Anschluss
messbar, schlechtere Reputation im InternetKostenersparnis (leider nur für den Provider)
keine Erreichbarkeit "von außen" über IPv4

Mal abgesehen von dem etwas anonymeren Internet-Zugriff gibt es für den (Zwangs-)Nutzer keinen wirklichen Vorteil.
Die Nachteile sind aber schon nicht trivial, Cloudflare spricht hier sogar nicht von Nachteil sondern von "Kollateralschaden".

Viele Dienstanbieter bzw. deren Abwehr- und Sicherheitssysteme erkennen bei CG-NAT und DS-Lite "ungewöhnliche" Muster, die sich vom restlichen Internetverkehr unterscheiden. Das führt dazu, dass Reputationswerte sinken, teilweise sogar Ratenbegrenzungen oder vollständige Firewall-Blocks aktiviert werden. Und der (Zwangs-)Nutzer fragt sich auf einmal, wieso eine bestimmte Internet-Funktion daheim im WLAN nicht funktioniert, aber von unterwegs über LTE am Smartphone dann doch wieder. Und das obwohl daheim im WLAN technisch alles okay ist... tja, da hat man dann eventuell ungewollt eine "schlechte Reputation".

Genau diesen Umstand beschreibt Cloudflare in seinem Artikel, dass nämlich die (Zwangs-)Nutzer von CG-NAT bzw. DS-Lite häufiger als man denkt die Opfer solcher Maßnahmen auf Grund der "falsch-positive" Reputation "ihrer" IPv4 werden.

Barungar



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[1] https://blog.cloudflare.com/detecting-cgn-to-reduce-collateral-damage/
 
Hi,
das habe ich am eigenen Leib erfahren.
Provider (örtlicher Stadtwerke) hatte Plusnet (Der war echt Super, keine Ausfälle nichts) als Provider, wurde dann einfach als "Verbesserung" auf einen Mini-Anbieter im Osten umgestellt.

Ergebnis:

Vorher echte iPv4 jetzt CG-NAT

Dadurch enstandene Nachteile:
Zig Hopps
Ping von 5ms auf 27ms hochgegangen
Verlorene Pakete beim Telefonieren
Photos Sicherung an meinem NAS nur noch mit Umwegen.

Aussage:
Ich könnte ja auf den Buisness Tarif wechseln, dann bekomme ich eine echte iPv4.
Da bin ich gerade noch am Verhandeln, denn gerade verlorene Pakte im Glasumfeld sind für mich ein NoGo.
 
Interessante Info. Ich habe zwar momentan kein CGNAT, aber wie ich gelesen habe, bekommt man bei einem GF Anschluss üblicherweise CGNAT.

Da popped natürlich die Frage auf, warum die Provier einem keine IPV6 verpassen. Wie ich verstehe gibt es im Internet noch diverse Seiten, die per IPV6 nicht erreichbar sind :( und deshalb immer noch IPV4 Adressen notwendig sind.

Der Grund warum CGNAT genutzt wird, ist somit klar. Ist aber nicht verständlich warum es immer noch so viele mit nur IPV4 gibt. 2017 wurde IPV6 abgesegnet.

PS: Seitdem ich IPV6 bei mir aktiviert habe @home sehe ich oft meine IPV6 Adresse auf Webseiten. D.h. der Weg geht nach IPV6 ... leider sehr langsam
 
Zuletzt bearbeitet:
bekommt man bei einem GF Anschluss üblicherweise CGNAT
Das kommt auf den Anbieter an. Das "Problem" ist nicht die Glasfaser, das "Problem" ist das Alter des Anbieters. Junge Provider, die es erst seit 5 bis 10 Jahren gibt, die haben oft kaum noch IPv4-Adressen bekommen, sind aber mit IPv6-Adressen "todgeworfen" worden.

Das liegt einfach an dem Fakt, der auch schon seit dutzenden Jahren bekannt ist, dass nämlich keine/kaum noch freie IPv4-Adresse vorhanden sind.

Wenn Du als Glasfaser bei einem "alteingesessenen Internet-Provider" nimmst, der sein Dienste z.B. >= 20-25 Jahre anbietet, dann bekommst Du auch bei Glasfaser häufig standardmäßig DualStack. Es kommt also eher auf die Wahl des Anbieters als auf die Zugangstechnik an.

Bei Internet über Kabel hast Du oft ein ähnliches Bild, auch hier haben die Provider häufig nicht genug IPv4-Adressen.
 
Bestes Beispiel...

Mein Provider "NetCologne" (AS8422) hat 583.176 delegierte IPv4-Adressen und laut eigenen Angaben ca. 550.000 Kunden.
Der Provider "Deutsche Glasfaser" (AS60294) hat 92.928 delegierte IPv4-Adressem und laut eigenen Angaben > 1,7 Mio. Kunden.

Merkst Du was?

DGF hat mehr als die dreifache Kundenanzahl aber nicht einmal ein Fünftel der IPv4.

Das liegt daran, dass die früher IPv4 per "first-come-first-serve" vergeben wurden, da bekam ein "kleiner" lokaler Provider (Tochter der Stadtwerke Köln) über eine halbe Mio. IPv4 und Jahre später bekam ein "größerer" deutschlandweit agierender Provider nicht einmal 100.000 IPv4.

Es entscheidet allein das Alter eines Internet-Providers, ob er Dir eine IPv4 so gibt oder ob er Dir einen teureren Tarif verkauft bzw. Zusatzkosten haben will. Weil für ihn die IPv4 ein "knappes Gut" ist und da gilt die gute alte Marktwirtschaft.

Und da das IPv4-Vergabesystem keine "Gerechtigkeit" kennt. Bleibt nur die Flucht nach vorne zu IPv6, DGF und viele andere Provider würden das sicher sehr, sehr begrüßen. Denn wenn IPv4 nicht mehr genutzt würde, hätten sie diesen Wettbewerbsnachteil nicht. Aber zum Glück (aus Sicht der Provider) weiß die große Mehrheit der Kunden nichts von diesem "Wettbewerbsnachteil" und merkt es erst, wenn dann z.B. der Sohn/die Tochter nicht richtig zocken kann oder wenn man VPN einrichten möchte.

Aber in manchen Entwicklungsländern bzw. Länder, der technisch damals noch nicht so weit waren, muss sich heute das GANZE LAND mit 256 IPv4 begnügen. Ja, es gibt mehrere Länder auf der Welt, die nur ein 24er Netz erhalten haben, weil sie "zu spät" kamen.
 
Hallo @Barungar,

ja, du hast die Ursache für für die notwendige Entwicklung und Einführung von DS-Lite, CG-NAT und NAT insgesamt gut "herausgearbeitet". Die IPv4 sind eben "ausverkauft". Da können wir darüber diskutieren, wie wir wollen.
Ich sehe das eigentliche Problem darin, dass sich die Menschen immer noch gegen IPv6 wehren. Zumindest die, in den immer noch einigermaßen mit IPv4 versorgten Ländern. In den von dir erwähnten "Entwicklungsländern" hat man sich längst daran gewöhnt und kann damit umgehen. (Und ist uns in den entsprechenden Erfahrungen weit voraus!)
An dieser Stelle möchte ich das bekannte Rheinische Grundgesetz zitieren: Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domit. Ich denke, das passt hier.
Wir älteren Kollegen können uns garantiert noch an die Sprüche und guten Ratschläge diverser Computer-"Fach"-Zeitschriften, wie die mit einem Wort so ähnlich wie BLÖD im Namen, erinnern, Diese "Fachjournalisten" haben damals eine breite Front gegen IPv6 aufgemacht und jedem privaten Nutzer dringend empfohlen immer auf ihrer WinDOSe zuerst IPv6 zu deaktivieren. Diese Saat ist aufgegangen und steht jetzt in Form kräftiger Bäume herum.
Ich selbst "musste" (oder besser durfte!) mich in meiner ehemaligen beruflichen Tätigkeit von Anfang an mit IPv6 befassen. Und ich habe das auch gern getan (ohne den beruflichen "Zwang" vielleicht nicht?). Dabei habe ich schnell einen "großen Nachteil" von IPv6 erkannt: Der Mensch muss umdenken und dazulernen! Und genau das machen eben viele nicht gern.

Ich selbst habe als Uraltkunde eines großen Providers von Anfang an IPv4 und später echten DS erhalten. Und ich habe, als mein Provider dann endlich auch IPv6 angeboten hat, dieses in meinen, jetzt nur noch privaten, Netzen sofort eingerichtet. Und selbst mein gar nicht mal so kleines WireGuard-Netz arbeitet vollständig im DS. Meine Statistiken zeigen, dass die meisten Verbindungen sowohl beim normalen Surfen als auch innerhalb meines VPN mittlerweile per IPv6 stattfinden.
Ich hoffe und wünsche, dass ich es in den mir noch verbleibenden Jahren noch erleben darf, dass IPv4 mit all seinen Nachteilen wie DS-Lite, CG-NAT und NAT insgesamt in Vergessenheit gerät.
 

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